Byebye meineSPD.net

18. Juli 2011 um 22:48 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Wer selbst das traurige Schicksal von meineSPD.net verfolgt hat,ist nicht überrascht, dass diese jetzt zu Grabe getragen werden soll. Ich war schon im Dezember 2008 „drin“, und schon im März 2009 „wg. Schnauze voll“ umgezogen zu meinem eigenen WordPress-Blog. Jetzt also neu ein Ausbau des vorhandenen spd.de, wir sind gespannt. Erste Eindrücke:

  • Registrierung: meine Registrierung als SPD-Mitglied scheiterte kommentarlos, als normaler Nutzer war ich aber automatisch schon mal drin.
  • Profilbereich: es kommt die Tünnes-und-Schäl-Meldung „Sie haben uns keine Berechtigung gegeben, Ihr Profil zu speichern, Berechtigung jetzt erteilen“, wenn Datenfelder „fehlerhaft“ ausgefüllt sind. Fehlerhaft ist z. B. ein Facebook-Profil mit HTTPS begonnen (das ist aber dringende Empfehlung), oder eine Google-Plus-Profiladresse (dass das Stand der Technik ist, haben sicher selbst die meisten Offliner mitbekommen).
  • Blogbeitrag anlegen: es gibt so viele Dinge, die man von einem ausgereiften Blogsystem wie WordPress gewohnt ist, die hier gar nicht alle nachgebildet werden können. Aber bei meineSPD.net funktionierten ja nicht mal die Basics, wurden Blogbeiträge gefressen usw. Es war also Raum nach oben, und der wurde wohl auch gefüllt. Die „Themenzuweisung“ statt der überall im 2.0 üblichen frei wählbaren Tags ist aber schon mal eine Qual.

Nun gut, ein (neuer) Versuch ist gemacht. Wenn man „so groß“ ist, wie es die SPD gern wäre, fühlt man sich wohl gezwungen, etwas Eigenes zu entwickeln, statt Vorhandenes zu benutzen.

Spart euch die Plage und laßt die Plagiate

24. Februar 2011 um 13:29 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Ausgehend von einer Telepolis-Umfrage wurde das „Guttenplag-Wiki“ bereits erweitert, man könne ja jetzt auch „die anderen Doktorarbeiten“ mit analysieren. Ein paar Gedanken dazu:

Geht das überhaupt?

Einige der ersten Vorschläge waren Kristina Schröder und Silvana Koch-Mehrin, dann Merkel, Westerwelle, Sarrazin, immerhin auch Steinmeier, Struck. Also, immer hau drauf auf die Großen. Der „Schwarm“ wird’s schon richten.

Der Schwarm wird sich bedanken. Struck promovierte 1971, Sarrazin 1973, Merkel 1978, Steinmeier 1992, Westerwelle 1994, Koch-Mehrin 1998, Schröder (als Köhler) 2009. Mit wohl einzig Ausnahme der Letzteren, Vorletztere grenzfällig, erfolgten alle Promotionen vor dem Cutoff der „Generation Copy-Paste“ bzw. „Generation Google“. Das bedeutet, daß der Schwarm schon bei der bloßen Beschaffung des Werks selbst an seine Grenzen stoßen wird, erst recht seiner Quellen (und gar das Auffinden der nicht genannten, die ja eben nicht genannt sind, das macht sie ja erst aus). Die stehen nicht online! Die gibt’s nur auf toten Bäumen! Nicht mal bei Amazon! Die Worte „Bibliotheksausweis“ und „Fernleihe“ stehen plötzlich im Raum, Worte, die manche erst mal googeln muß.

Hätte man sich dann tatsächlich mit dem Rüstzeug ausstaffiert, drohte neues Ungemach: Das analoge Material muß gelesen werden! Nur Auge und Hirn können die Vergleiche liefern, keine Plagiatssoftware. Klar, im Schwarm kann sich jeder ein homöopathisches Häppchen von vielleicht zehn Seiten vornehmen. Aber der Grundgedanke dräut: Es wird echte Arbeit.

Das macht auch den Hauptunterschied zum Erstellen akademischer Machwerke (und seien es banale Hausarbeiten) einer anderen Generation aus: Es war echte Arbeit. Nächte wurden in der Unibib verbracht. Quellen mußten  beschafft werden, gelesen, verstanden, wenn sie für geeignet befunden waren, immer noch abgetippt. Wenn man sie einmal gelesen, verstanden und abgetippt hatte, konnte man sie gerade auch noch zitieren, das machte den Kohl auch nicht mehr fett. Obwohl die Funktion „Copy & Paste“ schon ca. 1976 erfunden und 1983 mit den ersten Apples öffentlich wurde, kam die Kultur (oder Unkultur) des „Copy & Paste“ erst in den späten Neunzigern auf, denn vor Massenverbreitung des WWW und dem Erfolg von Suchmaschinen wie damals noch Alta Vista (und Exoten wie Gopher), später erst Google, gab es schlichtweg nicht genug Masse, aus der man sich hätte selbstbedienen können, weswegen keiner auf die Idee gekommen wäre, das im großen Stil zu betreiben. (Das war es wohl auch, was den kometenhaften Erfolg von Google ausmachte, weniger der genialische Suchalgorithmus als vielmehr die Substanz, die immer eine Trefferquote ermöglichte – „nichts gefunden“ hörte auf zu existieren, egal wie sinnlos die Suche. Spätestens seit „meinten Sie…?“ findet Google selbst zu den Tastenanschlägen von *Kopf auf die Tastatur knallt* ein Ergebnis.)

Ist das eine gute Idee?

Ich gebe es besser gleich zu: Auch ich habe abgeschrieben. Nicht in Stil und Größenordnung des Freiherrn, aber jeder, der einmal kurz vor Abgabe seiner Arbeit auch durch Erhöhen des Zeilenabstands noch nicht die marktübliche Seitenzahl zusammenhatte, hat wohl schon mal ein paar Sätze inflationären Zitattext durch Wortumstellung in ein höherwertiges „vgl.“ umgewandelt. Weiter geht es – ich muß mich im Augenblick manchmal dem aufkeimenden Gerechtigkeitssinn meiner siebenjährigen Tochter stellen -, ich bin auch schon bei Rot über die Ampel gegangen, habe an Altstadtkirchenmauern gepinkelt, bei den Spesen den Geschäftszweck einer Bewirtung aufgehübscht. Ich hatte nie eine DOS-Lizenz (ist hoffentlich verjährt).

Ich habe noch kein altes Mütterchen für ihre Handtasche vor die Straßenbahn geschubst und will auch sonst nicht in die Politik, aber eine Totalüberwachung durch Plagiatspaparazzi wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht. Wenn wir wirklich die Diss der Bundesmutti zeilenweise durchkauen, und wenn wir dann ein paar geklaute Zeilen finden, was machen wir dann? Entrüsten wir uns genauso ergebnislos? Und ab welcher Quote geborgten Textbausteins? 70%, 50%, 30%? Oder auch schon bei zwei oder drei Zitaten, die beim Umgang mit der Schreibmaschine/dem Robotron vielleicht wirklich vergessen wurden? Und wonach suchen wir als nächstes?

Außerdem ist am ersten Ansatz klar zu sehen, daß sich zunächst mal die netzaffine Linke an den unpopulären Rechten abarbeiten würde. Das Ungleichgewicht würde der Öffentlichkeit bald auffallen und der Idee ziemlich den Wind aus den Segel nehmen. Später dann würden wir entsetzt feststellen, zu Guttenbergs 200.000 Facebook-Fans zeigen es, daß die rechte Fraktion auch netzaffine Kräfte aufwenden kann, und einen Gegenschlag erfahren. Im schlimmsten Fall würde der dann Im Richtigen Leben die bessere Presse kriegen, und wir wären blamiert.

(Update: Ein paar neue Gedanken zu der Frage, warum ich es irgendwie Scheiße finde: Die implizite Idee ist ja wohl entweder, daß jeder Dottore ein potentieller Betrüger ist, dann müssen auch Arbeiten von Nichtprominenten auf den Seziertisch – 25.000 im Jahr, viel Vergnügen -, oder daß es einen speziellen Typus „nichtsnutziger Mensch, der den Masterplan verfolgt, Politiker zu werden“ gibt, dann muß ich trotz des Blogtitels schon wieder eine C-Politikerin in Schutz nehmen: Glaubt jemand ernsthaft, daß eine Karriere Merkel (ernsthafte Wissenschaftlerin im Osten, lange bevor man die Wende vorhersehen konnte, dann in der Tat Wendegewinnerin, dann erst eher widerwillige, langsam gewachsene Politikerin, z. B. als Umweltministerin, mit der eine Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken garantiert nicht zu machen gewesen wäre, erst jetzt unter „Sachzwängen“ politische Opportunistin) zu dieser Beschreibung paßt? Merkel hätte 1978 bemerkenswerte hellseherische Fähigeiten haben – und erfolgreich verbergen – müssen, um diesen Masterplan ausarbeiten zu können.)

Ich wollte ja gar nicht über zu Guttenberg schreiben

23. Februar 2011 um 14:31 | Veröffentlicht in Allgemeines | 1 Kommentar
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Ich wollte es wirklich nicht. Zunächst schien es nicht wichtig genug, dann wendete sich alles, aber darüber schien alles gesagt. Jetzt aber muß ich doch.

Ich bin Sozialdemokrat, das sieht man dem Blog an. Daß ich zu Guttenberg trotzdem Gutes abgewinnen konnte, schrieb ich schon 2009. Ich bin selbst verblüfft, daß ich dem Verteidigungsminister in demselben Artikel schon damals die Warnung mitgab, sich nicht an seiner eigenen Eitelkeit zu verbrennen. (Dabei war das, wie wir heute wissen, damals in Wirklichkeit schon passiert.)

Als vor einer Woche die Doktorarbeitsgeschichte hochkochte, hegte ich immer noch die vorerwähnten Sympathien für Karl-Theodor zu Guttenberg. Er hatte plagiiert (oder wahrscheinlich ghostwriten lassen, da er das niemals zugeben dürfte, werden wir es wohl niemals erfahren), aber das tun wahrlich andere auch. Wer selbst an der Uni gewesen ist, kann nachvollziehen – ich kann -, daß man irgendwann frustriert ist, daß das Angehäufte einfach zu keinem fertigen Werk werden will, einen jeden Morgen aufs Neue auslacht, obwohl man es schon lange nicht mehr sehen mag. Schon lange ein ganz anderes Leben mit anderen Prioritäten hat. Da in die Trickkiste zu greifen, einfach damit das Elend ein Ende hat, ist nur verzeihlich. Auch noch als das Ausmaß des Vorgefundenen die Erwartungen immer weiter überstieg, hätte ich die Kröte geschluckt, hätte ihm das Ding nachgesehen, das von einer kleinen Schummelei zu einem veritablen Betrug (ich sage das jetzt nicht im strafrechtlichen Sinne, denn ich bin mir da nicht sicher, aber ein massives Verbiegen der aufrichtigen Wahrheit ist auf jeden Fall ein moralischer Betrug) wuchs, auch wenn es am Ende, anders als am Anfang, sicher kein Kavaliersdelikt mehr war.

Aber den Umgang damit, den kann ich ihm nicht durchgehen lassen. Seit Freitag war Schluß mit Verständnis. Ein Eingeständnis, ein Augenzwinkern auf Augenhöhe unter Akademikern, am Ende verbunden mit der reumütigen Erkenntnis, dabei ein bißchen zu weit gegangen zu sein, das wäre gegangen. Dann hätte ich auch als Nichtbayer sagen können „a Hund isser scho.“ Dann wäre es mir auch selbstverständlich über die Lippen gekommen, daß eine Doktorarbeit nichts mit einem Ministeramt zu tun hat. Ist nämlich eigentlich so. Aber angesichts des Offensichtlichen in selbstgerechter Gutsherrenart immer weiter auf dem toten Pferd herumzureiten, die Wahrheit in Salamischeiben darzubieten, die Presse und damit die Öffentlichkeit zu brüskieren, und auf das Lächerlichste mit dem Messer neben der Leiche zu deklamieren, es habe am Vorsatz gefehlt, der sei ihm ins Messer gerannt, uns damit fortwährend von oben herab, nämlich für dumm zu verkaufen, das geht zu weit.

Im Strafrecht sind die Versuche, eine begangene Straftat zu verschleiern, dem Täter nicht als weitere, eigenständige Straftaten anzurechnen. Aber wir sind ja auch eben nicht im Strafrecht. Für mich hat sich zu Guttenberg erledigt (und ich prognostiziere, das wird auch wirklich so kommen), eben nicht durch die Tat, sondern durch die verweigerte Aufarbeitung.

Übrigens hat spätestens seit Montag die Doktorarbeit sehr wohl mit dem Ministeramt zu tun: zu Guttenberg schrieb seinen Brief an die Universität, in dem er um Aberkennung des Doktors bat, auf dem Briefpapier des Bundesverteidigungsministers…

Sollen sie doch steigen

15. September 2010 um 09:36 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Der Landtag von NRW hat für morgen die Erhöhung der Abgeordnetendiäten um 1,14 % von 9.979 auf 10.093 € angekündigt. Die Erhöhung ist ein Halb-Automatismus – zunächst wird ein Wert aus Lohn- und Preissteigerung ermittelt, dann können die Abgeordneten sich dies „genehmigen“ oder auch nicht. Im letzten Jahr haben sie es nicht getan.

„Ein Schluck aus der Pulle“ wird bei solchen Gelegenheiten gern gerufen, und die Linke hat verkündet, sie halte das in Zeiten von Hartz-IV-Einschnitten für unpassend, Linken-Abgeordnete werden diese Mehreinkünfte allenfalls spenden.

Nun hat sich ja die Linke in letzter Zeit mit Berichten von Tagungen in Luxushotels nicht eben in die Nähe des Worts „Bescheidenheit“ manövriert. Ich finde aber auch, in Zeiten, in denen Gewerkschaften wieder mit Forderungen von 6 % auf die Straße gehen, ist eine reine Inflationsanpassung wirklich nichts Ungehöriges. Alles andere wäre doch eine Realeinkommenssenkung.

Und ganz persönlich finde ich, jemand der um zehntausend Euro verdient, sollte ohnehin mehr Wohltätigkeit walten lassen als ein lumpiges Prozent.

Moralische Instanzen und mitleidende Vorsitzende

24. August 2010 um 16:41 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Da bin ich ja noch mal froh: Während Altkanzler Helmut Schmidt den Rang, „ein Deutschland zu verkörpern, wie ich es mir wünsche“, knapp mit 83% zu 84% an Günther Jauch abgeben mußte, steht außer Frage, daß er „eine moralische Instanz für Deutschland“ ist, und zwar mit 74% die führende. Es hilft anscheinend, knapp 30 Jahre aus der aktiven Politik ausgeschieden zu sein. Mit exakt 50% erreichte wiederum der „Wer-wird-Millionär“-Moderator den höchsten Wert für einen Nichtpolitiker – es ist schon verblüffend, daß alle höheren Ränge von „moralische Instanz“ mit Politikern besetzt sind.

Bei „verkörpert Deutschland“ sieht das anders aus, neben Günther Jauch stehen Jogi Löw und Basti Schweinsteiger obenan, Politiker eher unter „ferner liefen“. Insgesamt muß man sich damit abfinden, daß außer Politikern und Fernsehstars nur wenige es überhaupt in die Liste schafften, namentlich Jo Ackermann – ein Schweizer – als einziger Wirtschaftskapitän. Entweder wird Wirtschaftsvertretern noch weniger Moral zugetraut als Politikern, was beachtlich wäre, oder es blieb schlichtweg, wie gern bei SPIEGEL-Umfragen kolportiert, „diese Person ist mir unbekannt“.

Persönliches Fazit: Schmidt als moralische Instanz geht voll in Ordnung. Mit Günther Jauch als Verkörperung meines Wunschdeutschland kann ich gut leben (der ist eben so glatt, daß er für jede Funktion durchgehen würde), aber mir fiele da spontan auch noch die Familie M. aus meiner Kirchengemeinde ein.

Am anderen Ende der Skala bringt sich heute der Fraktionsvorsitzende in die Presse: Frank-Walter spendet seiner Frau eine Niere. Nach Franz Müntefering, der die Politik verlassen hat, um seine sterbende Frau zu pflegen, der zweite „große Vorsitzende“, der das Öffentliche zugunsten des Privaten zurückstellt (und darüber redet, was ja nicht verboten ist). Das verdient Respekt.

Tauss vs. Ruhrbarone – das Netz erwürgt sich selbst

1. Juni 2010 um 10:59 | Veröffentlicht in Allgemeines | 6 Kommentare
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Nachdem alt SPD-MdB Jörg Tauss, nach mehreren Parteiaustritten zunächst Pirat, jetzt parteilos, wegen des Besitzes von kinderpornographischen Bildern auf seinem Handy verurteilt worden war (das Urteil ist nicht rechtskräftig, Tauss hat Berufung angekündigt), kochte es in der Netzgemeinde, während das Richtige Leben™ nur kurz und erwartungsgemäß abfällig Kenntnis davon nahm.

Es mag Tauss getroffen haben festzustellen, daß der von ihm beklagte Zustand „vorverurteilt“ vom jetzigen Zustand, verurteilt, sogar noch übertroffen wird. So kehrte sich die Piratenpartei, die ihn noch als Angeklagten durchaus haben mochte, weil er sie als Zugpferd durch den Bundestagswahlkampf zog, nach dem Urteil in Rekordzeit, noch im Gerichtssaal, von ihm ab, was umso härter wirkt, bedenkt man, daß ein völliger Freispruch so wahrscheinlich war wie ein Lottogewinn. Doch auch große Teile dessen, was gern unscharf umreißend als „Netzgemeinde“ bezeichnet wird, die lange Zeit Verständnis für Tauss‘ abenteuerliche Begründungen aufbrachten, und ihm noch während der Verfahrensdauer um Pfingsten den Rücken stärkten, fielen Knall auf Fall um, kaum daß die vielstrapazierte Unschuldsvermutung nicht mehr bemüht zu werden brauchte.

So muß Tauss der Kommentar der Ruhrbarone besonders hart getroffen haben, gerade weil er nicht aus den etablierten Medien kam, von denen er sich sowieso nichts erwarten durfte, sondern aus der Mitte der Netzgemeinde, wo man scheinbar verstand, daß sich seine, Tauss‘ Wahrheit von der Medienkampagne der Staatsanwaltschaft und dem Vokabular einer Ursula von der Leyen unterschied. Genau aus der Mitte wurde er nun in die dunkle Ecke gestellt, was ihn so angepißt hat wie Horst Köhler, daß er die Ruhrbarone abmahnte.

Was für ein Scherbenhaufen! Von den Seitenlinien der Netzgemeinde, innerhalb deren wie gesagt unscharfen Grenzen ich auch mich selbst verorte, schaue ich fassungslos auf diesen Schaukampf zweier von uns. Beiden folgte ich auf Twitter, beider Blogs las ich. Beide hatten bis jetzt nicht so viel miteinander zu tun. Jetzt haben sich beide verrannt, sich ineinander verbissen, und nicht selten steht am Ende solcher Kämpfe keiner von beiden wieder auf.

Auf der einen Seite die Ruhrbarone, die einen Kommentar abgesetzt haben, was legitim ist, die aber dabei m. E. auf einen Zug gesprungen sind, der den Bahnhof in der falschen Richtung verließ, was durch lautes „Tuut-Tuut“-Rufen nicht korrigiert wird. Man muß Tauss nicht mögen, ich mag ihn nicht, man muß kein Verständnis für sein Tun haben, darf ihn in einem Kommentar auch schmähen, aber der Tenor ist falsch: Tauss ist kein Samariter, „kein Robin Hood“, und um seine eigenen Begründungen zu glauben, sind wir zu der Verrenkung gezwungen, ihn unglaublich dumm zu nennen. Aber Tauss ist nicht als Kinderficker verurteilt worden, sondern als Idiot, der vorschriftswidrig mit Gefahrgut hantiert hat. Viel besser als das eine ist das andere nicht, aber dennoch eine Unterscheidung wert. Die Ruhrbarone benutzen die rhetorische Waffe der unerlaubten Vereinfachung, die auch Zensursula so gern genommen hat: wer Schmutz anfasse, müsse ein Schmutzfink sein. Aber man kann Gülle sammeln, sie abpumpen, sie auf die Felder aufbringen – sie auf unser Essen spritzen! – und trotzdem ein braver Bauer sein.

Auf der anderen Seite Jörg Tauss, der, wenn er das Netz so gut kennt wie er behauptet, wissen muß, daß es darin keine geächtetere Waffe gibt als die Abmahnung. Noch dazu so eine miese, kleinliche, dämliche. Wenn man sich schon gegen die Meinungsäußerung nicht wehren kann, krittelt man statt dessen an den kleinsten Details der in der Meinung geäußerten Tatsachenbehauptungen rum – das ist schäbig. Es zeigt, wie dünnhäutig Tauss geworden sein muß in diesen anderthalb Wochen, wie gern er wohl die Brocken hinschmeißen würde wie Horst Köhler, nur daß seine Brocken dummerweise längst hingeschmissen sind. Zero Points von mir dafür.

Der Kampf der beiden Verbissenen wird sicher noch eine Weile weitergehen. Die Netzgemeinde macht aber das, was sie in so einem Fall genauso gut kann wie die etablierten Medien: Sie wendet sich etwas Neuem zu, geht weiter, hier gibt es ja nichts mehr zu sehen. Sie „entfolgt“, sie plonkt. Wie ich meinen raufenden Kindern beizubringen versuche: Aus einem kindischen Streit geht nie ein Gewinner hervor.

Eilmeldung: CDU zurückgetreten

31. Mai 2010 um 18:06 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Nach Koch und Köhler ist vor Rüttgers und…? – Manch einer saß mit ungläubigem Staunen am Bildschirm, als Twitter in Sekundenfrische die Mitteilung vom Rücktritt des Bundespräsidenten in die Welt blies. Des Bundespräsidenten! Das hat es noch nicht gegeben. Das kann und darf es eigentlich nicht geben.

„Lübke“ und „Kanonenbootpolitik“ waren Schlagworte, die vor dem Wochenende durch die Medien geisterten. Heinrich Lübke, erinnern wir uns, war der zumindest rhetorisch nicht immer geschickte Präsident und Verfasser von „meine Damen und Herren, liebe Neger“. Definitiv vor unserer Zeit. Kanonenbootpolitik bezeichnet die unfeine Durchsetzung von Außenwirtschaftsinteressen mit militärischen Mitteln. Lange vor unserer Zeit und heute offiziell geächtet. Trotzdem hat Köhler den Satz gesagt, der ihm jetzt offiziell das Genick gebrochen haben soll:

Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.

Der wurde dann von Spin Doctors gebeult und gebogen, so gut es ging, doch es ging eben nicht. Gesagt ist gesagt, zumal in ein Radiomikrofon. Insofern war es recht und richtig, nach einem solchen Satz zurückzutreten. Aber – jetzt kommt der heutige Satz:

Meine Äußerungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr am 22. Mai dieses Jahres sind auf heftige Kritik gestoßen. Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich befürwortete Einsätze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt wären. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie lässt den notwendigen Respekt für mein Amt vermissen. Ich erkläre hiermit meinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten – mit sofortiger Wirkung.

Der Bundespräsident tritt also nicht zurück, weil er den Satz gesagt hat, sondern weil ihm die Kritik daran zu weit ging. Die Person tritt zurück, weil die Kritik Respekt vor dem Amt vermissen läßt – hat die Kritik jetzt das Amt beschädigt, oder die Person? Es paßt einfach überhaupt nicht zusammen, was Horst Köhler da sagt. „Beleidigtsein, Selbstmitleid und Wut auf andere“ nennt es der Spiegel, ein Twitterer faßte es treffend zusammen mit „Ist das denn respektvoll dem Amt gegenüber, so einfach beleidigt zurückzutreten?

Schon bei Koch fragten wir uns, was wohl der Grund hinter dem Grund sein möge, „Roland Koch geht nicht einmal aufs Klo ohne einen Plan“ (was übrigens eine dankbare Anleihe aus Tom Clancy’s Jagd auf Roter Oktober ist), wenn jetzt auch Köhler so dünnhäutig geworden ist, daß er nicht mehr einstecken kann, fragt man sich schnell mal, wie es um die Partei insgesamt bestellt ist. Und dabei hätte man noch vor kürzester Zeit die nächsten Donnerschläge eher in der FDP vermutet…

Rüttgers als angezählt aufzulisten war übrigens billig, das gebe ich zu. Aber warten wir es mal ab, nachdem die Bundes-FPD heute morgen die NRW-Ampel nicht ausschließen wollte, will die lokale FDP weiter keine haben. SPD und CDU müssen also am Ende wohl oder übel miteinander reden, und ob das mit Rüttgers geht…?

Der Wahl-O-Mat, die NPD und die Gentechnik

8. Mai 2010 um 11:20 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Wenn Sie mein Blog lesen, sind Sie womöglich ein Sozialdemokrat, vielleicht auch einer vom noch unentschlossenen Drittel oder einer von der benachbarten Konkurrenz, vermutlich jedenfalls ein „lupenreiner Demokrat“ aus dem Spektrum der Parteien der Mitte. Sie sind womöglich der Meinung, daß die Linke und die Republikaner ungefähr gleich „pfui“ sind. Aber, Hand aufs Herz, Sie mögen das Godesberger Programm kennen, aber was wissen Sie von den Wahlaussagen der Ultrarechten zur Laufzeit von Kernkraftwerken oder zur „Herdprämie“?

Der Wahl-O-Mat ist ein wunderbares Programm. Er vergleicht unsere Aussagen mit denen aller Parteien und nimmt uns die schlichte Arithmetik ab, auszurechnen, mit welcher Partei wir rein zahlenmäßig am meisten zustimmen. Sein Gebrauch ist vor allem allen Unentschlossenen unbedingt empfohlen, aber auch wer zu wissen glaubt, wo er steht, sollte ruhig einmal seine Standpunkte abklopfen, es kann sich lohnen. Es kommt Erstaunliches und Unterhaltsames heraus.

Zunächst einmal eine Lebensbeichte: ich bin ein Grüner. Hoppla, flugs auf das Thema dieses Blog geschaut, der Schreiberling ist doch ein Soze? Ja, und so wird er natürlich auch wählen, das ist ein geringes Geheimnis. Der Wahl-O-Mat ist eben nur schlichte Arithmetik, nur eine Hilfe zu Entscheidungen. Aber dennoch, meine rein arithmetische Zustimmungsquote zu den Aussagen der Grünen beträgt 66, zu denen der SPD nur 65 Punkte.

Aber die eigentlichen Überraschungen liegen am ferneren Ende des Spektrums der Antworten: Wer hätte erwartet, daß ich eine höhere Übereinstimmung zur NPD aufweise als zur FDP? Darf denn das wahr sein? Und das, obwohl ich für Minarette bin und nicht dagegen?

Da beginnt der Zauber des Wahl-O-Maten, der Zauber der Statistik: er zeigt uns eben nicht nur die drei Aussagen, mit denen eine Partei plakatieren geht, sondern alle 38 für alle Parteien. Und es mag als unnützes Wissen erscheinen, was die Republikaner über Nachtflugverbot denken, wenn man sie eh‘ nie wählen würde, aber trotzdem, schauen wir doch mal.

Republikaner, NPD und pro NRW, das ist doch fast das gleiche, oder? Alles rechte Randgruppen, die über Überfremdung klagen! Oder? Dann müßten sie ja untereinander eine hohe Übereinstimmung aufweisen, zu den anderen Parteien aber eine niedrige. Tja: aus unseren 38 Fragen haben die Republikaner zwar tatsächlich nur 9 gleiche Antworten mit der SPD, aber 22 Übereinstimmungen mit der CDU – das paßt ins Bild. Aber die NPD hat nur 10 Übereinstimmungen mit der CDU, dafür 16 mit der SPD und der Linken (und 12 mit den Grünen)! Die NPD stimmt der SPD – und der Linken – fast genauso oft zu wie Republikaner und NDP untereinander (19 mal). Sie hat also, wer hätte das gedacht, klar ein links geschärftes Profil.

Oder anders gesagt, am linken und am rechten Rand des Spektrums kann man prima mit den gleichen Argumenten fischen. Das, was eine Partei wirklich ausmacht, ist nämlich eben nicht Arithmetik, sondern Gewichtung. Das, was man mit extremen Parteien gemeinhin verbindet, sind eben nicht ihre Aussagen zur Frauenquote in Aufsichtsräten, zu Studiengebühren oder den Laufzeiten von Atomkraftwerken. Als brave Demokraten, die sich nicht unnötig ins Abseits manövrieren wollen, nehmen sie aber natürlich am Prozeß teil und geben brav eine Meinung auch zu diesen Themen ab.

Manchmal hinken sie dabei ein bißchen hinterher: so sind die Republikaner die einzige Gruppe, die noch für Internetsperren sind, konsequent, vor einem Jahr waren außer den Piraten noch alle dafür, aber der Rest hat umgelernt. Niemand außer Rüttgers‘ Mannen ist für Gentechnik auf nordrhein-westfälischen Äckern, aber bei der Verlängerung der Laufzeit von Atommeilern weiß er immerhin die Republikaner hinter sich. Dafür ist wiederum die NDP die einzige Gruppe, die ihm klar zustimmt, daß wir noch mehr Autobahnen brauchen.

Selbst da, wo die Grenzen scheinbar klar abgesteckt sind, kann noch was passieren: Hätten Sie gedacht, daß die Aussage „Sozialleistungen nur für Deutsche“ von den Republikanern nicht mitgetragen wird? Dafür sind sich alle einig: nur Rechte rauchen noch in Kneipen…

Morgen ist es  wieder so weit: Wahlzeit. Machen Sie Ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle: auf dem Wahlschein!

Termine im Ortsverein Rath

28. März 2010 um 21:37 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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„Wolle“ F. hat die aktuellen Termine des SPD-Ortsvereins Düsseldorf-Rath abgekündigt. Ich picke mal ein paar der Rosinen heraus und reichere mit überregionalen an:

  • Sa., 3. April, 9:00 Uhr – Ostereieraktion mit Infostand
  • Sa., 10. April, 14:00 Uhr, Philipshalle – Wahlkampfauftakt
  • Sa., 24. April, 14:30 – Anti-Atom-Menschenkette von Brunsbüttel nach Krümmel
  • So., 25. April, 10:00 Uhr, Rather Fass – Skatturnier
  • Sa., 1. Mai, 10:00 Uhr, Hofgarten – Familienfest zum 1. Mai mit Mai-Demo
  • Sa., 8. Mai, 9:00 Uhr – Infostand zum Muttertag
  • Sa., 3. Juli, 15:00 Uhr, Hazienda – Sommerfest des OV Rath
  • Do., 23. September, 19:00 Uhr, AWO – OV-Versammlung
  • Fr., 5. November, 19:00 Uhr – Grünkohlessen Stadtbezirk 6
  • Fr., 26. November, 19:00 Uhr, AWO – Jubilarfeier/Jahresabschluß

Das Leben auf dem Niveau des Ortsvereins liest sich vielleicht nicht so spannend. Aber auch an der Basis gibt es genug zu tun, und letztlich ist es die Basis, an der die Arbeit erledigt wird. Termine wie erweiterte Vorstandssitzungen und reine Infostände habe ich trotzdem ausgeblendet – wer dabei ist, wird wissen, wie er an die Info kommt.

Schwarz-gelb ist mit mir nicht zu machen

28. März 2010 um 21:12 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Das aktuelle Plakat der CDU scheint mir eine ziemliche Nullnummer:

Rot-Rot ist mit mir nicht zu machen

Gezeichnet Jürgen Rüttgers. Ja nee is‘ klar. Mit Hannelore Kraft ist schwarz-gelb ja auch nicht zu machen, aber dafür brauchen wir bei der SPD nicht extra ein Plakat zu drucken, oder?

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