Steinbrück diskutiert im Düsseldorfer Capitol

17. Februar 2009 um 14:55 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Das war gestern. Peer und ich (hehe…) waren im Düsseldorfer Capitol Theater, um „das neue Jahrzehnt“ zu diskutieren. Klar, Peer Steinbrück war vorn auf dem Podium, ich, der brave Parteisoldat, in Reihe 5 rechts. Klar, ich wußte von Peer und er nicht von mir. Nicht ganz so klar war mir, daß auch „diskutieren“ hieß, daß Peer diskutiert und die anderen zuhören.

Es war also mehr ein Monolog, die wenigen zugelassenen Wortmeldungen – es war sicher einem egomanischen Fragesteller geschuldet, daß nach seinem Selbstdarstellungs-Amoklauf nur noch Zeit für ganz wenige weitere, echte Fragestellungen blieb – wurden in den letzten 15 Minuten abgehandelt. Aber Peer beim Räsonieren zuzuhören ist schon interessant genug. Man merkt bald: der Bundesfinanzminister gefällt sich selbst, er genießt es, zu schimpfen und, ja, wäre er Bayer und nicht Hamburger, zu granteln. Er hat uns etwas zu sagen, und dann auch wieder nicht.

Denn Peer gibt klar zu, daß auch die klugen Köpfe in der gegenwärtigen Situation nur zu raten wissen, educated guesses vielleicht, also besser als die des Mannes auf der Straße, aber „ich habe jeden Tag mit Professoren zu tun, die genau wissen, wie das passiert ist und was ich jetzt zu tun habe, nur haben die eben nicht die Verantwortung, es auch tun zu müssen.“ Er sagt deutlich, daß auch er Angst davor hätte, daß das 500-Mrd-Rettungspaket platzen könnte („dann bin ich hoffentlich ganz weit weg – weil ich das aber nicht sein kann, müssen wir das eben verhindern“), und daß das deswegen nie passieren dürfe. Nur aus diesem Grunde seien staatliche Beteiligungen und schlimmstenfalls sogar Enteignungen nötig, um die geleisteten staatlichen Garantien zu beschützen.

Die Einmischung in Gehalts- und Bonusregeln der „geretteten“ Unternehmen („als ich die Gehaltsbeschränkung vorschlug, schrien alle auf, als ein Vierteljahr später Obama sie vorschlug, jubelten alle“) verteidigt Peer als nur fair, genau wie der Mann auf der Straße könne auch er nicht verstehen, wieso jemand, der schlecht gewirtschaftet habe, noch Boni fordern könne.

Wie lange uns die Krise noch beschäftigen werde, wisse er auch nicht und warnte uns vor jedem, der behaupte, es zu wissen. Aber es sei klar, daß sie unsere Zukunft nach der Krise formen werde.

Mitgenommene Sätze, die ich auch live getwittert habe (mein Tweet wurde nur leider geschluckt):

  • Selbstregulierung des Marktes kennt keine Solidarität.
  • Internationaler Banksektor braucht internationale Regeln.
  • Staatsanteile sind unvermeidlich, um Staatsgarantien abzusichern, Enteignung auch.
  • „Nichtwähler werden am Ende von Leuten regiert, die dümmer sind als sie selbst.“

Moderiert wurde die Veranstaltung von Vorwärts-Chefredakteur Uwe-Karsten Heye. Der hatte freilich überwiegend Stichworte zu geben, als (s. o.) Moderation erforderlich gewesen wäre, schwieg er leider. Das Saalpublikum mußte die Moderation übernehmen, indem es den Redner ausbuhte. [Nachtrag: den Zwischenfrager, nicht Peer Steinbrück…!]

Das Neue Jahrzehnt

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