Masochismus

28. September 2009 um 11:54 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Als ich vor einem knappen Jahr in die SPD eintrat, wußte ich, oder ahnte es zumindest, daß ich dies in einer Situation tat, in der der Eintritt masochistische Züge zu offenbaren schien. Gestern abend wurde es bestätigt. Was jetzt? Mäntelchen nach dem Wind hängen und wieder austreten?

Nein, denn es ging mir ja damals beim Eintritt schon explizit darum, die Partei zu stärken in einem Augenblick, in dem sie es am Nötigsten hatte, und das ist jetzt eher mehr der Fall denn weniger. Es geht mir nicht um meinen persönlichen Vorteil, nicht darum, mein Mäntelchen nach dem Wind zu hängen.

Gestern abend ist der SPD übel mitgespielt worden. Den Wahlsieg, die Kanzlerschaft für Frank-Walter, habe ich nie erwartet, ihn hätte die Partei nach einer recht mediocren großen Koalition auch nicht verdient. Aber dieses Ergebnis, das schlechteste aller Zeiten, genauso wenig. 1,8 Millionen SPD-Wähler sind zu Hause geblieben, hat Schönenbohm ausgerechnet – diese Menschen haben die Partei, die sie eigentlich zu unterstützen meinten, mit ihrer Passivität aktiv über die Klippe gestürzt. Eine typische Politiker-Wahlabend-Phrase ist „wir haben es nicht geschafft, dem Wähler unsere Botschaft zu vermitteln“, die scheinbare Selbstkritik ist natürlich gemeint als „wir haben schon geredet, aber der Dösbaddel hat ja nicht zugehört“, aber in diesem Fall trifft sie zu. Merkel und Steinmeier haben Kuschelwahlkampf gemacht, fast, als wäre eine neue große Koalition das Produkt, das sie bewerben wollten, und damit haben sie eben nichts bewegt, und damit beim Wähler den Eindruck des „da kann ich ja gleich zu Hause bleiben“ verstärkt, und der nutzt eben immer der CDU.

Wer meinte, aktiv etwas ändern zu müssen, ging zur FDP, den Grünen oder eben zu den Piraten – alle Etablierten scheinen erleichtert darüber hinwegzugehen, daß sie schon gezittert hatten, diese könnten wirklich etwas erreichen, aber eine einzelne Botschaft (wenn auch eine, mit der ich vollkommen d’accord gehe) macht eben doch noch kein Parteiprogramm. Ihr Abschneiden, von ihnen selbst als „besser als damals das erste Bundestagsergebnis der Grünen“ gelobt, von anderen ironisch „Piratenpartei fährt das schlechteste Ergebnis bisher ein“ kommentiert, wird wohl eine Episode bleiben.

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