Ich wollte ja gar nicht über zu Guttenberg schreiben

23. Februar 2011 um 14:31 | Veröffentlicht in Allgemeines | 1 Kommentar
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Ich wollte es wirklich nicht. Zunächst schien es nicht wichtig genug, dann wendete sich alles, aber darüber schien alles gesagt. Jetzt aber muß ich doch.

Ich bin Sozialdemokrat, das sieht man dem Blog an. Daß ich zu Guttenberg trotzdem Gutes abgewinnen konnte, schrieb ich schon 2009. Ich bin selbst verblüfft, daß ich dem Verteidigungsminister in demselben Artikel schon damals die Warnung mitgab, sich nicht an seiner eigenen Eitelkeit zu verbrennen. (Dabei war das, wie wir heute wissen, damals in Wirklichkeit schon passiert.)

Als vor einer Woche die Doktorarbeitsgeschichte hochkochte, hegte ich immer noch die vorerwähnten Sympathien für Karl-Theodor zu Guttenberg. Er hatte plagiiert (oder wahrscheinlich ghostwriten lassen, da er das niemals zugeben dürfte, werden wir es wohl niemals erfahren), aber das tun wahrlich andere auch. Wer selbst an der Uni gewesen ist, kann nachvollziehen – ich kann -, daß man irgendwann frustriert ist, daß das Angehäufte einfach zu keinem fertigen Werk werden will, einen jeden Morgen aufs Neue auslacht, obwohl man es schon lange nicht mehr sehen mag. Schon lange ein ganz anderes Leben mit anderen Prioritäten hat. Da in die Trickkiste zu greifen, einfach damit das Elend ein Ende hat, ist nur verzeihlich. Auch noch als das Ausmaß des Vorgefundenen die Erwartungen immer weiter überstieg, hätte ich die Kröte geschluckt, hätte ihm das Ding nachgesehen, das von einer kleinen Schummelei zu einem veritablen Betrug (ich sage das jetzt nicht im strafrechtlichen Sinne, denn ich bin mir da nicht sicher, aber ein massives Verbiegen der aufrichtigen Wahrheit ist auf jeden Fall ein moralischer Betrug) wuchs, auch wenn es am Ende, anders als am Anfang, sicher kein Kavaliersdelikt mehr war.

Aber den Umgang damit, den kann ich ihm nicht durchgehen lassen. Seit Freitag war Schluß mit Verständnis. Ein Eingeständnis, ein Augenzwinkern auf Augenhöhe unter Akademikern, am Ende verbunden mit der reumütigen Erkenntnis, dabei ein bißchen zu weit gegangen zu sein, das wäre gegangen. Dann hätte ich auch als Nichtbayer sagen können „a Hund isser scho.“ Dann wäre es mir auch selbstverständlich über die Lippen gekommen, daß eine Doktorarbeit nichts mit einem Ministeramt zu tun hat. Ist nämlich eigentlich so. Aber angesichts des Offensichtlichen in selbstgerechter Gutsherrenart immer weiter auf dem toten Pferd herumzureiten, die Wahrheit in Salamischeiben darzubieten, die Presse und damit die Öffentlichkeit zu brüskieren, und auf das Lächerlichste mit dem Messer neben der Leiche zu deklamieren, es habe am Vorsatz gefehlt, der sei ihm ins Messer gerannt, uns damit fortwährend von oben herab, nämlich für dumm zu verkaufen, das geht zu weit.

Im Strafrecht sind die Versuche, eine begangene Straftat zu verschleiern, dem Täter nicht als weitere, eigenständige Straftaten anzurechnen. Aber wir sind ja auch eben nicht im Strafrecht. Für mich hat sich zu Guttenberg erledigt (und ich prognostiziere, das wird auch wirklich so kommen), eben nicht durch die Tat, sondern durch die verweigerte Aufarbeitung.

Übrigens hat spätestens seit Montag die Doktorarbeit sehr wohl mit dem Ministeramt zu tun: zu Guttenberg schrieb seinen Brief an die Universität, in dem er um Aberkennung des Doktors bat, auf dem Briefpapier des Bundesverteidigungsministers…

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