Der Wahl-O-Mat, die NPD und die Gentechnik

8. Mai 2010 um 11:20 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Wenn Sie mein Blog lesen, sind Sie womöglich ein Sozialdemokrat, vielleicht auch einer vom noch unentschlossenen Drittel oder einer von der benachbarten Konkurrenz, vermutlich jedenfalls ein „lupenreiner Demokrat“ aus dem Spektrum der Parteien der Mitte. Sie sind womöglich der Meinung, daß die Linke und die Republikaner ungefähr gleich „pfui“ sind. Aber, Hand aufs Herz, Sie mögen das Godesberger Programm kennen, aber was wissen Sie von den Wahlaussagen der Ultrarechten zur Laufzeit von Kernkraftwerken oder zur „Herdprämie“?

Der Wahl-O-Mat ist ein wunderbares Programm. Er vergleicht unsere Aussagen mit denen aller Parteien und nimmt uns die schlichte Arithmetik ab, auszurechnen, mit welcher Partei wir rein zahlenmäßig am meisten zustimmen. Sein Gebrauch ist vor allem allen Unentschlossenen unbedingt empfohlen, aber auch wer zu wissen glaubt, wo er steht, sollte ruhig einmal seine Standpunkte abklopfen, es kann sich lohnen. Es kommt Erstaunliches und Unterhaltsames heraus.

Zunächst einmal eine Lebensbeichte: ich bin ein Grüner. Hoppla, flugs auf das Thema dieses Blog geschaut, der Schreiberling ist doch ein Soze? Ja, und so wird er natürlich auch wählen, das ist ein geringes Geheimnis. Der Wahl-O-Mat ist eben nur schlichte Arithmetik, nur eine Hilfe zu Entscheidungen. Aber dennoch, meine rein arithmetische Zustimmungsquote zu den Aussagen der Grünen beträgt 66, zu denen der SPD nur 65 Punkte.

Aber die eigentlichen Überraschungen liegen am ferneren Ende des Spektrums der Antworten: Wer hätte erwartet, daß ich eine höhere Übereinstimmung zur NPD aufweise als zur FDP? Darf denn das wahr sein? Und das, obwohl ich für Minarette bin und nicht dagegen?

Da beginnt der Zauber des Wahl-O-Maten, der Zauber der Statistik: er zeigt uns eben nicht nur die drei Aussagen, mit denen eine Partei plakatieren geht, sondern alle 38 für alle Parteien. Und es mag als unnützes Wissen erscheinen, was die Republikaner über Nachtflugverbot denken, wenn man sie eh‘ nie wählen würde, aber trotzdem, schauen wir doch mal.

Republikaner, NPD und pro NRW, das ist doch fast das gleiche, oder? Alles rechte Randgruppen, die über Überfremdung klagen! Oder? Dann müßten sie ja untereinander eine hohe Übereinstimmung aufweisen, zu den anderen Parteien aber eine niedrige. Tja: aus unseren 38 Fragen haben die Republikaner zwar tatsächlich nur 9 gleiche Antworten mit der SPD, aber 22 Übereinstimmungen mit der CDU – das paßt ins Bild. Aber die NPD hat nur 10 Übereinstimmungen mit der CDU, dafür 16 mit der SPD und der Linken (und 12 mit den Grünen)! Die NPD stimmt der SPD – und der Linken – fast genauso oft zu wie Republikaner und NDP untereinander (19 mal). Sie hat also, wer hätte das gedacht, klar ein links geschärftes Profil.

Oder anders gesagt, am linken und am rechten Rand des Spektrums kann man prima mit den gleichen Argumenten fischen. Das, was eine Partei wirklich ausmacht, ist nämlich eben nicht Arithmetik, sondern Gewichtung. Das, was man mit extremen Parteien gemeinhin verbindet, sind eben nicht ihre Aussagen zur Frauenquote in Aufsichtsräten, zu Studiengebühren oder den Laufzeiten von Atomkraftwerken. Als brave Demokraten, die sich nicht unnötig ins Abseits manövrieren wollen, nehmen sie aber natürlich am Prozeß teil und geben brav eine Meinung auch zu diesen Themen ab.

Manchmal hinken sie dabei ein bißchen hinterher: so sind die Republikaner die einzige Gruppe, die noch für Internetsperren sind, konsequent, vor einem Jahr waren außer den Piraten noch alle dafür, aber der Rest hat umgelernt. Niemand außer Rüttgers‘ Mannen ist für Gentechnik auf nordrhein-westfälischen Äckern, aber bei der Verlängerung der Laufzeit von Atommeilern weiß er immerhin die Republikaner hinter sich. Dafür ist wiederum die NDP die einzige Gruppe, die ihm klar zustimmt, daß wir noch mehr Autobahnen brauchen.

Selbst da, wo die Grenzen scheinbar klar abgesteckt sind, kann noch was passieren: Hätten Sie gedacht, daß die Aussage „Sozialleistungen nur für Deutsche“ von den Republikanern nicht mitgetragen wird? Dafür sind sich alle einig: nur Rechte rauchen noch in Kneipen…

Morgen ist es  wieder so weit: Wahlzeit. Machen Sie Ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle: auf dem Wahlschein!

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Schwarz-gelb ist mit mir nicht zu machen

28. März 2010 um 21:12 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Das aktuelle Plakat der CDU scheint mir eine ziemliche Nullnummer:

Rot-Rot ist mit mir nicht zu machen

Gezeichnet Jürgen Rüttgers. Ja nee is‘ klar. Mit Hannelore Kraft ist schwarz-gelb ja auch nicht zu machen, aber dafür brauchen wir bei der SPD nicht extra ein Plakat zu drucken, oder?

Merkel: Gut gewollt ist schlecht gekonnt

20. März 2010 um 11:59 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Unsere Zeitung steht ja etwas in dem Ruch, im Wahlkampf etwas CDU-freundlich zu sein. Das manifestiert sich auch im heutigen Titel, dem Extrakt eines Kanzlerinnen-Interviews:

„Merkel: Wir wollen Steuern senken“

Steuern senken – hurra, Frau Merkel ist meine Heldin! Aber Moment mal, suchend sehe ich mich in der Parteienlandschaft um, kann aber nirgendwo, nicht in der Regierung, nicht in der Opposition, weder am linken Rand des Spektrums noch am rechten, eine Partei finden, die das nicht will. Dumm also nur, daß der Text weitergeht:

„Die Bundeskanzlerin hält… die Haushaltslage für zu dramatisch, um… Pläne zur Verringerung der Steuern vorzulegen.“

Dann haben Angela Merkel und unsere Zeitung uns ja mal so richtig ihren Willen bewiesen. Schade nur, daß gewollt noch nicht gekonnt ist. So bleibt das Wort eine Leerhülse.

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