800 Jahre

10. März 2009 um 14:06 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Wieso fällt eigentlich selbst dem SPIEGEL, sonst für brauchbaren Journalismus bekannter, zu zu Guttenberg nichts anderes ein als daß er 800 Jahre Adelstradition hinter sich hat, sogar einen Stauffenberg-Nachfolger, und mit einer Bismarck verheiratet ist? Ich will den Mann ja nicht seiner Vergangenheit berauben, aber was wissen wir von den Vorfahren von Gerhard Schröder bis ins dritte und vierte Glied? Was vom Großonkel von Ulla Schmidt, und was von der Familie der Ehefrau von Wolfgang Tiefensee? Genau. Müssen wir ja auch nicht wissen, es handelt sich ja um Bürgerliche. Wenn einer aus einer anderen sozialen Schicht aufgestiegen ist, wie Gerhard, oder wie Barack Obama, kann das erwähnenswert sein, weil es ja etwas über seine Persönlichkeit aussagt. Ansonsten scheint es mir vielmehr so, daß wir eben nicht viel über die Gegenwart unseres Wirtschaftsministers zu berichten haben, und da muß eben die Vergangenheit herbeigeholt werden. Da wird dann sogar oft genug, auch in der Tagesschau, von „Wirtschaftsminister Guttenberg“ gesprochen und damit vergessen, daß seit 1919/20 die Adelstitel abgeschafft und zu normalen Namensbestandteilen wurden – ihre Veränderung, ja auch ihr Weglassen, kann eine widerrechtliche Anmutung darstellen, solche Adelstitel gebe es noch immer. Aber gut, bei Politikern ist zumindest das nicht unüblich, auch die akademischen Grade, die viele haben, werden ja i. a. nicht mitgesprochen.

Aber da stehen wir jetzt eben, wir sind eine der acht führenden Wirtschaftsnationen der Welt, erleben die größte Weltwirtschaftskrise der jüngeren Vergangenheit, und unser letzter Wirtschaftsminister hatte keinen Bock, und der gegenwärtige hat im Fach so viel Berufserfahrung wie ein Banklehrling. Und dann beschwert sich die CSU, daß die Rettung der Lage von Peer im Finanzministerium betrieben wird? Herrje, der Mann ist immerhin Volkswirt, und vor allem, er steht wenigstens an Deck! Wenn im Sturm alle Mann gebraucht werden, würde ich auch der Verbraucherschutz- oder der Entwicklungshilfeministerin zujubeln, wenn sie die Marssegel reffen oder die Pumpen besetzt halten.

Na gut, zurück zu zu Guttenberg: Anscheinend macht er bislang nicht den schlechtesten Job. Glück gehabt, und besser so für uns alle.

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