Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus

27. August 2009 um 15:44 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Bemerkenswert zivilisert ging es vor dem Haushaltsausschuß zu, als Ulla Schmidt zu ihren Dienstwagenfahrten und zu Guttenberg zu seiner Lex Linklaters aussagen mußte. Die Opposition sah vergrätzt mit an, daß sich die beiden Noch-Regierungsparteien offensichtlich abgesprochen hatten.

Nun glaube ich nicht, daß die Opposition so viel besser dastünde, wenn man bei ihr grübe, die Ereignisse liegen einfach nur etwas weiter zurück, doch bin ich sicher, eine Überprüfung bei einem Fischer, Kinkel oder Genscher würde ähnliche Ergebnisse zeitigen. Es fiel damals einfach niemand ein, dem Außenminister mit dem gelben Pullunder, der seinen Platz in der Challenger praktisch als zweiten Wohnsitz hätte anmelden müssen, auf den Kopf zuzusagen, er solle doch bitte mal prüfen, ob er nicht auch Linie hätte fliegen können.

Ich finde – das habe ich selbst auch schon vor ein paar Tagen hier geschrieben – Ullas „Affäre“ denn auch eher klein und kleinlich, aber daß sie so schnell aus der Welt verschwindet, zeigt mir eben doch wieder auf, daß es Politiker aller Couleur sind, die sich gegenseitig decken, weil sie alle gleich an die Sache rangehen.

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Quo vadis, Ullalallala?

18. August 2009 um 08:24 | Veröffentlicht in Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar
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Mein Latein reicht nicht aus, um hier ein Wortspiel über „wohin fährst du…?“ einzuflechten. Ist wohl auch nicht nötig.

Als mein Vater in den Neunzigern schon Rentner war, während meine Mutter noch arbeitete, hatte sie einen Firmenwagen, der manchmal von ihm gefahren wurde. Der hieß dann im Familienjargon völlig korrekt „Süssmuth-Auto“. (Der Unterschied ist, daß ein Firmenwagen dem Arbeitnehmer ganz gewollt zur teilweise privaten Nutzung überlassen ist, dieser „geldwerte Vorteil“ ist ja auch ausdrücklich zu versteuern.) Woran will uns das erinnern? Richtig, der Mißbrauch parlamentarischer Privilegien (es ist nicht mehr als eine Ironie, daß es sich 18 Jahre später sogar um genau dasselbe Privileg, einen Dienstwagen, handelt) ist kein Parteienproblem, kein Problem der SPD. Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) gab damals den Dienstwagen ihrem Ehemann, Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) benutzt heute ihren im Urlaub, beide benutzen hanebüchenes Geschwafel zur Rechtfertigung („soziale Belange der in Spanien lebenden Deutschen wahrnehmen,“ my ass), beide kommen damit durch. Beiden dürfte das Unrechtsbewußtsein fehlen, handelt es sich aus ihrer Sicht doch nur um eine Bagatelle, vergleichbar dem Briefmarkenklau des kleinen Arbeitnehmers. Kein Parteienproblem, sondern ein Menschenproblem: Gier.

Ein Rücktritt erübrige sich, der Wähler werde das Urteil zu fällen wissen, sagte Bosbach (CDU, s. o.) über diesen Vorfall. Das Traurige für die SPD ist, daß er damit recht haben dürfte.

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